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01.03.2012

Elektrohandwerk beklagt die Auswirkungen der Solarstromkapriolen der Bundesregierung!

Offener Brief des FEHR-Vize-Präsidenten Christoph Hansen, Koblenz

Elektrohandwerk beklagt die Auswirkungen der Solarstromkapriolen der Bundesregierung!
Christoph Hansen, FEHR-Vizepräsident

Man müsste Schlecker heißen, dann hätte man, zumindest was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, ausreichend Beachtungspotenzial, um ein Interesse bei der Presse und damit auch der Öffentlichkeit zu erhalten.

Ketten wie Schlecker, dm  und andere waren zur Zeit ihrer Gründung und der fol-genden, sprunghaften Expansion der Anlass für das Verschwinden vieler, sehr vieler kleiner Drogerien.

Privat geführt, ein paar Angestellte beschäftigt, waren sie die Dienstleister von nebenan, die uns regional mit entsprechenden Produkten der Industrie versorgten.

Sie machten alle zu, starben leise – wen interessiert es schon, wenn so ein kleiner Laden nebenan dicht macht. Not und Leid vieler Menschen wurde im stillen Käm-merlein ausgehalten – das Leben geht weiter.

Nun steht Schlecker am Abgrund – ein Aufschrei des Entsetzens. Tausende Arbeitsplätze sind gefährdet.

Ist es wirklich so, dass die Presse, die Öffentlichkeit und letztlich die Politiker dieses Landes erst reagieren, wenn ungewöhnliche, dramatische Situationen entstehen?

Interessiert das Schicksal des Einzelnen, der kleinen Gruppen niemand mehr? Was muss passieren, bevor Menschen aufmerksam werden?

Das Elektrohandwerk beheimatet viele Unternehmen, die sich in den letzten Jahren mit dem Thema der erneuerbaren Energien beschäftigt haben. Unternehmer, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, bevor die Thematik „Energiewende“ - aus-gelöst durch Katastrophen und politische Neuausrichtungen innerhalb der Länder - in der Ernsthaftigkeit behandelt wird, wie wir es heute erleben.

Diese Unternehmen sind eher regional ausgerichtet. Sie wollen ihre Kunden vor Ort beraten und bedienen. Sie betreiben seit Jahren eine Aufklärungskampagne pro „Erneuerbare Energien“ die zu dem Erfolg führte, der nun für unsere Politiker in Berlin Anlass ist, die Branche auszubremsen.

Mindestens zwei Faktoren fallen mir bei dieser Situation auf:

  • In Zeiten einer Weltfinanzkrise, einer Europäischen Wirtschaftskrise hat die Bundesrepublik erkennen können, dass alleine eine Dynamik der eigenen Wirt-schaft es verhindert, dem negativen Sog der Finanzwelten zu entkommen. Durch diese Dynamik konnte unser Bundesfinanzminister stolz verkünden, dass die erwartete Neuverschuldung der BRD für das abgelaufene Jahr deutlich niedriger ausfiel, wie das von den Fachleuten und der Politik erwartet werden musste.
  • In Zeiten höchster Not wurden ganze Industriezweige mit enormen Unterstützungen bedacht. Die Abwrackprämie z. B. löste eine positive Entwicklung bei der Automobilindustrie aus, die niemand erwartet hätte. Die Kosten? Darüber redet heute niemand mehr. Die wären, bei den laufenden Diskussionen über die monetäre Unterstützung des notleidenden EURO-Raumes auch wirklich lächerlich.

Und wenn es um wirklich große Beträge oder Unternehmenskonzepte geht, die von großindustriellen Unternehmen und Konzernen eingefordert werden, die sich Lobbyisten leisten können, deren Wirken bis in die höchsten Gremien hineinreichen, dann findet man in allen Lebenslagen die nötige Beachtung.

Wir kleinen Mittelstandsbetriebe erfahren da nur wenig und eher selten Unterstüt-zung. Zweifelsfrei, in der Ebene der Orts- und Verbandsgemeinden, der Landkreise und der kreisfreien Städte gibt es hier und da noch ein fruchtbares Miteinander. Kleine Konzepte werden miteinander ausgefochten und „der kleine Dienstweg“ ist immer wieder die Chance für alle Beteiligten regionale Ziele zu erarbeiten und auch umzusetzen.

Doch wo bleibt die Beachtung der Bundesregierung für die Arbeit vieler Tau-sender kleiner Mittelstandsbetriebe, die in Summe das Inlandsbruttosozialprodukt erwirtschaften, dass ein Staat benötigt, die wirtschaftliche Schieflage zu vermeiden, die einige Europäische Staaten dahin brachten, wo sie jetzt stehen?

Zu sagen „wer heute den Mittelstand vernachlässigt, wird morgen schlecht geratet“ wäre vielleicht zu gewagt. Doch scheint es mir, wenn ich die jüngste Situation der Kürzung der Solarstromförderung betrachte, dass einige hohe und höchste Politikerinnen und Politiker in Berlin vergessen haben, wer in den letzten 60 Jahren an dem Aufschwung, dem Erfolg und dem Reichtum unseres Landes maßgeblich beteiligt war.

Unbedingt richtig ist es, dass wir nicht auf Kosten unserer Kinder und Enkel unseren Wohlstand gründen dürfen. Vom Staat geförderte Maßnahmen und Projekte können niemals dauerhaft Bestand haben. Sie müssen abgeschafft werden, wenn es sich zeigt, dass die Maßnahme ohne Erfolg ist. Sie müssen gegen Null reduziert werden, wenn man sieht, dass sie im Markt eingeführt und verankert sind.

Doch muss die Reduzierung einer Förderung so geschehen, dass die daran Beteiligten durch die Vorlage eines klaren und verlässlichen Konzeptes die Chance ha-ben, ihre unternehmerische Ausrichtung zu planen und in einem realistischen Zeitrahmen umzusetzen. Nicht zu vergessen sind hierbei auch die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch solche Aktionen um ihre Arbeitsplätze bangen müssen.

Die z. Zt. im Bereich der „Energiewende“ verlaufenden Aktivitäten seitens der Verantwortlichen sind geprägt von ad hoc und leider teilweise auch Fehlentscheidungen. Dabei liegt der Focus der Verantwortlichen immer wieder auf den Versorgungskonzernen und der Großindustrie. Die Arbeit zig-tausender kleiner Handwerksunternehmen wird schlicht und einfach nicht beachtet. Es wäre dann ja auch zu viel Mühe, sich um die Belange und die Situation des Handwerks zu kümmern, Rahmenbedingungen zu schaffen, die unsere Betriebe brauchen, um betriebswirtschaftlich den Erfolg zu haben, den sie benötigen um ihre Mitarbeiter zu bezahlen und unsere Jugendlichen auszubilden.

Die Kapriolen um die Reduzierung der Einspeisevergütungen bei der Förderung von Photovoltaikanlagen ist der dramatische Beweis dafür, dass wir (das Handwerk) immer weniger Beachtung bei der Politik finden. Man ist ja gewöhnt, dass wir funktionieren, egal wie widrig die Rahmenbedingungen auch sein mögen.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch unsere Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister, stehen täglich ihren „Mann“. Sie arbeiten viel und lange und werden - dafür sorgt unser Wirtschaftssystem hervorragend - nicht mit Reichtümern belohnt.

Darüber beklagen wir uns nicht. Wir möchten mit unseren Kunden und bei unseren Kunden, die Produkte und Dienstleistungen des Elektrohandwerks (auch solche die der Energieeinsparung und der Energiegewinnung dienen) zu einem fairen Marktpreis installieren. Zum Wohl des Verbrauchers, zum Wohl des Unternehmens aber auch zum Wohl (auch) unserer Bundesrepublik Deutschland.

Können wir dann nicht auch erwarten, dass Entscheider der politischen Parteienlandschaft ihre Konzepte so ausgestalten, dass wir vernünftig damit umgehen können?

Ich wünsche uns allen, auch und vor allem im Hinblick auf die nötige und anstehende Energiewende, die uns alle in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen wird, stabile und tragfähige – vor allem aber mit Fachleuten abgestimmte umsetzbare Konzepte – die auch von einem für Deutschland so wichtigen Mittelstand getragen werden können.

 

Christoph Hansen
Vizepräsident des Fachverbandes Elektro-
und Informationstechnik Hessen / Rheinland-Pfalz

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